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FRACTURED DIMENSION: TOWARDS THE MYSTERIUM 


VÖ: 06.02.2009 Leichte Anfälle von Größenwahn oder überzogener künstlerischer Habitus sind ja durchaus keine seltenen Erscheinungen in Prog-Szene. Diesen Verdacht könnte man auch gegenüber dem Trio The Fractured Dimension hegen, denn schließlich haben sich hier drei Musiker in der Nachfolge Alexander Skrjabins gefunden, um ein musikalisches Werk zur Verbindung von Klassik, Rock, Metal und Jazz zu schaffen. Jimmy Pitts, für die Tasteninstrumente zuständig und Schöpfer der meisten Kompositionen auf „Towards the Mysterium“, Jerry Twyford, Bassist und Komponist der anderen Stücke, und Alex Arellano, Drummer, gehen ihre Mission aber mit einer gewissen Leichtigkeit an, die zumindest dem Ganzen etwas die elitäre Spitze nimmt. Der Albumtitel „Towards the Mysterium“ bezieht sich direkt auf Skrjabins letztes großes (allerdings unvollendetes) Vorhaben, nämlich die Schaffung des „Mysteriums“, eines Gesamtkunstwerks aus Wort, Ton, Farbe, Duft, Berührungen, Tanz und bewegter Architektur. Das Ganze sollte in Indien mit 2000 Mitwirkenden solange aufgeführt werden, bis die ganze Menschheit die Gelegenheit hatte das „Mysterium“ zu erleben. Dies hätte die Menschheit auf eine höhere Bewusstseinsstufe gehoben. Na ja, Skrjabin hielt sich selbst für eine Art Messias, passenderweise wurde er auch noch an Weihnachten geboren und starb kurz nach Ostern. Angesichts dieser Hintergrund-Geschichte wirkt das Vorhaben der Herren Pitts, Twyford und Arellano doch gleich fast schon bodenständig. Musikalisch ziehen The Fractured Dimension alle Register. Das Album weiß auch ohne mystischen Überbau in Atem zu halten. Es werden tatsächlich Versatzstücke klassischer Kompositionen, Frickelorgien an Gitarre, Bass, Schlagzeug, Piano und jazzige Momente, gerade, wenn die Bläser ins Geschehen eingreifen, zu komplexen, rhythmisch teils wüsten, aber trotzdem noch nachvollziehbaren Kompositionen verwoben. Damit das auch alles kompetent gespielt wird, haben die sich die drei Hauptprotagonisten eine ganze Reihe virtuoser Gastmusiker eingeladen, die nach Herzenslust mitfrickeln. Gerade die Herschar Gitarristen gibt solistisch alles und drückt dem Album schon mal einen Stempel auf. Aber auch die anderen Gäste, insbesondere Trompeter Jim Shannon und Violinist Joe Deninzon geben auch ordentlich Gas. Hochgeschwindsgkeits-Soli geben sich über verqueren Rhythmen die Klinke in die Hand und trotzdem wirkt das Ganze nicht steril oder seelenlos. Natürlich sind alle Solo-Parts akribisch im Booklet vermerkt. Jimmy Pitts gönnt sich immer mal wieder eine Pianoeinlage, Twyford lässt den Bass melodisch blubbern, aber insbesondere Arellanos höchst ungewöhnliches Schlagzeugspiel lässt immer wieder aufhorchen. Arellano hat zu einem ganz eigenen Stil gefunden, der die Percussion-Arbeit eines Mitglieds eines Sinfonieorchesters mit den Frickelorgien einen Math-Metal-Drummers verbindet. Dabei vermeidet Arellano jedes Klischee, wie beispielsweise exzessives Doublebass-Drumming, und entfaltet trotzdem Groove und Druck wie die Hölle. Der eigenwillige Klang seines Schlagwerks tut das Übrige zum außergewöhnlichen Auftritt. Letztlich ist „Towards the Mysterium“ ein beeindruckendes Werk geworden, in dem tatsächlich Moderne Klassik, Metal und Jazz zu einer Art verzwirbelten, aggressiven, lauten Kammermusik verschmelzen. Faszinierend! (T. Kohlruß, www.babyblaue-seiten.de)

Format: CD | BestellNr.:9007 | Preis: € 14,99  



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